Influencer Marketing

Digitaler Index als Ticket zu Exklusiv-Veranstaltungen

  • Online Reputation Management
  • Social Media Marketing

Dass einige Modemarken Prominente bezahlen, um an ihren Modeschauen in der ersten Reihe zu sitzen, ist für viele keine Neuheit, sondern eine alte PR-Taktik, bei welcher nicht Kleider die Leute, sondern vielmehr die Leute ihre Kleider machen sollen. Die Strategie der Entscheidung, wer diese wichtigen Leute in der ersten Reihe aber in Zukunft sein werden, ist grade im Umbruch. Es wird wohl sehr bald nicht mehr ausschließlich um den Status „prominent“ gehen, sondern um die Internetpräsenz des Jeweiligen.

Jemand wie Ashton Kutcher, der 10 Millionen Follower auf Twitter vorzuweisen hat, könnte in Zukunft eher eingeladen werden als eine Modegröße mit geringer digitaler Präsenz. Das ist zumindest das Statement von Klout.com, einer Firma aus San Francisco, die behauptet eine Formel zu besitzen, mit welcher man den digitalen Einfluss einer Person berechnen kann. Dazu werden die Online-Aktivitäten der betroffenen Person zu einem Gesamtwert verrechnet, in welchem vor allem die Tätigkeiten auf sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Google+ eingehen. Je mehr eigene Posts man verzeichnet und je mehr Leute diesen folgen und weiter posten, desto höher dieser Index. Die Zahlen spucken einige belustigende, jedoch auch absurd anmutende Fakten aus. So hätte zum Beispiel Anna Wintour, die Chefin der US Vogue, in der New York Fashionweek keine Einladung zu der Show von Designer Malan Breton erhalten – ihr Klout-Wert war zu niedrig.

Zuschauer als Live-Reporter

Das Klout-Konzept ist nicht dumm, denn es hat für die Designer einen Domino-Effekt. Die eingeladenen Gäste, die einen hohen Klout-Wert besitzen, können live aus den Modeschauen berichten und ihren Fans die Show im Internet über Fotos und Kommentare in Echtzeit zugänglich machen – und somit die Popularität des Designers erhöhen.

Kritik ist jedoch ebenfalls angebracht bei der Art und Weise, wie nach Klout künftig Eintrittskarten zu wichtigen Events verteilt werden sollen. Denn viele der Modegrößen sind nicht regelmäßig auf Facebook präsent, viele modeschätzende Journalisten trennen ihren Beruf von Privatem und posten nicht rund um die Uhr neue Details über den neuesten Chic – genau solche Aktivitäten werden jedoch in den Index von Klout eingerechnet.

Zu der Skepsis des Algorithmus enthält sich Klout jeder Antwort. Es kann sich allerdings jeder auf Kout.de bewerten und als Experte zu verschiedenen Themen speichern lassen. Diese Daten verkauft Klout wiederrum an die Industrie, welche geeignete Kandidaten zu verschiedenen Kontexten befragen oder eben zu Shows einladen können. Klout hat sich damit bereits namhafte Unternehmen wie Audi oder Disney zum Kunden gemacht.

Grenzen und Chancen

Viele PR-Agenturen reagieren auf das Klout-Konzept (noch) ablehnend. Es sei schließlich das Kapital einer PR-Agentur, alle handverlesenen Kontakte intensiv und persönlich zu pflegen, passende Kandidaten für Events selbst zu nominieren und eben nicht durch einen extern ermittelten Index.

Die andere Seite sieht es eher als Chance, durch den Klout-Index neue interessante Zielgruppen ausfindig zu machen und sich auf den digitalen Raum zu erweitern. Wie so oft wird der passende Umgang mit dem neuen Tool in der goldenen Mitte liegen: Klout ist zwar ein nützliches Werkzeug, gerade zur Verbreitung über die sozialen Medien. Es kann und sollte aber nicht die Meinung von Fachleuten ersetzen, die ihre Kontakte oft gerade im persönlichen Treffen pflegen. Es ist jedoch trotz allem auch nicht zu verkennen, welches Potenzial diese Methode bieten kann. Es kann so eine breite Öffentlichkeit in bisher relativ exklusiv gehaltenen Veranstaltungen eingebunden werden und Meinungen (gerade zur Mode!) außerhalb des fachinternen Elfenbeinturms können wieder mehr Gewicht erlangen. Man darf gespannt sein, wer wohl in der nächsten Mode-Show in der ersten Reihe sitzt.