CTR-Optimierung

Comeback der Emojis in den SERPs

Lachtränen laufen dem gelben Smiley-Gesicht über beide Wangen. Die Augen sind zu Schlitzen geformt – ja, der Witz muss gut gewesen sein. Daneben ein hochroter Kopf, dem die Zornesröte buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht. Eine Reihe drunter wieder Tränen. Diesmal sind sie allerdings Ausdruck echter Trauer. Sturzbachartig strömt das Wasser aus den digitalen Sehorgangen. Schwer vorzustellen, dass der Geselle nebendran gerade deshalb zwei knallrote Herzen an der gleichen Stelle vorschießt. Beobachtet wird die Szenerie von drei Affen. Besser gesagt von zwei Affen, denn der dritte hält sich die Augen zu. Affe 1 verschließt hingegen die Ohren, Affe 2 hält sich die Hände vor den Mund. Preisfrage: Wo befinden wir uns?

Comeback der Emojis in den SERPs
Foto: © Cody Slingerland / unsplash.com

Nein, die Antwortet lautet nicht Whatsapp-Gespräch. Emojis sind längst nicht mehr an den mobilen Bildschirm gebunden. Mittlerweile erobern die putzigen Bildzeichen auch ganz andere Bereiche unseres alltäglichen Lebens. Zum Beispiel die Kinoleinwand: Im August 2017 läuft “Emoji - Der Film” in Deutschland an. Vor zwei Jahren wurde das Emoji “Face with Tears of Joy” von der Oxford University zum Wort des Jahres gewählt. Begründung: “Die nuancierte Ausdrucksform könne Sprachbarrieren überwinden.” Emoji-Kissen, Emoji-Tassen, Emoji-Shirts: Die Reise der Chat-Ideogramme aus dem Smartphone ins gesellschaftliche Miteinander ist vollzogen. Eine Reise, die bis 2015 auch die Google-Serps (Search Engine Result Pages) als Zwischenstation vorgesehen hat. Lange Zeit tummelten sich Emojis in Titeln und Snippets der Suchergebnisleisten – dann schwang Google den Bannhammer. Warum, das wusste keiner so recht. Damals hieß es, sie würden dem User unnötig Zeit rauben. Der Fokus aufs Wesentliche, nämlich die gesuchte Page, ginge verloren. Nun das Comeback: Die Emojis sind zurück in den Serps und mit ihnen auch neue Chancen für Marketer.

Snippet vs. Titel

Ob klirrende Bierkrüge, Gaming-Pad oder High-Five: Emojis in Suchergebnissen sind ein Blickfang. Seit Google die Bildzeichen wieder zugelassen hat, können SEO-Marketer ihre Strategie um einen zeitgemäßen Aspekt erweitern. Doch bei der Anzeige der Emojis gibt es seitens des Suchmaschinen-Riesen eine unterschiedliche Gewichtung: Denn Google selbst scheint Emojis in den Snippets denen im Titel vorzuziehen. Laut einer aktuellen Sistrix-Studie kommen im Bezug auf den Desktop gerade einmal bei 0,012 % der untersuchten Serps Emojis im Titel vor, während es im Bezug auf die Snippets ganz anders aussieht: Hier gibt es schon bei rund 3,1 % der geprüften Treffer mindestens ein Emoji. Stichwort Snippet-Optimierung: Der eigene Treffer sollte in den Ergebnissen natürlich auffallen. Aktuell ist dies mit Emojis noch möglich, da sie noch nicht allzu inflationär verwendet werden – findige Marketer nutzen die Gunst der Stunde und passen ihre Vorgehensweise entsprechend an. Doch Vorsicht: Der Weg hin zur Übersättigung ist schnell gegangen. Schon jetzt zieren Poo-Emoji und das entsetzte “Hände-an-den-Kopf-Emoji” diverse Thumbnails von Youtube-Challenge-Videos. Irgendwann kippt bekanntlich jeder Trend. Die Folge: In Zukunft locken Emojis den User nicht mehr unbedingt hinterm Ofen hervor. Emojis verlieren in der Masse ihren Sonderstatus und müssen zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle platziert sein, um Marketing-Vorteile zu erzielen. Denn Google lässt es auch wieder zu, Emojis als eigenständige Suchbegriffe zu verwenden. Webseiten können hier drauf wiederum reagieren, indem sie Beschreibung und Titel um organisch eingepflegte Bildzeichen ergänzen. Beispiel: Wer das “Video-Game”-Emoji (???? ) googelt, stößt entsprechend eher auf Seiten, die das Zeichen im Titel und/oder Description ebenfalls benutzen. Außerdem wichtig zu wissen, dass nicht jedes Emoji gleichermaßen beliebt ist. Mehr noch: In den Serps tauchen manche Emojis fast gar nicht auf – andere hingegen übermäßig oft.

Tip-Top, Ring-Ring

Generell liegt die Anzahl der auftauchenden Snippet-Emojis im Bezug auf die geprüften Treffer im Bereich Desktop (3,1 %) noch klar vor dem Bereich Mobile (2,4 %). Google scheint den mobilen Sektor momentan noch weniger “Emoji-relevant” einzuschätzen als den Desktop. Überraschend, wenn man bedenkt, dass Whatsapp, also eine fast ausschließlich mobil genutzte App, die erste große Bühne für Joy-Face und Co. darstellte. Welches Emoji wird derzeit am häufigsten in den Serps angezeigt? Hier gibt es einen klaren Gewinner und er heißt -Trommelwirbel- “Bestätigungshaken”: ✓. In der dazugehörigen Sistrix-Umfrage macht er fast drei Viertel (rund 72 %) der Emojis in den Serps aus. Funktionalität und die Dienstleistung einer Seite scheinen sich außerdem gut sichtbar über ein Emoji transportieren zu lassen. In den Suchergebnissen tauchte das Telefon-Emoji (☎️ ) in ungefähr 2,6 % der Fälle auf und belegt damit schon Platz vier der Top-Emojis. Damit stehen die an Smileys angelehnten Emojis noch eindeutig hinten an.

In Googles Suchergebnissen soll Emoji-Marketing dementsprechend auch nicht zum Selbstzweck verkommen. Laut eigener Aussage achtet der Großkonzern bei der Anzeige darauf, dass die Emojis “nützlich”, “spaßig” und “relevant” in den Gesamtkontext eingebunden werden. Wie genau Google diese Klassifikation letztendlich auf die Suchergebnis-Anzeige umsetzt, bleibt ungewiss. Wie so oft spielen wohl wieder subjektive Urteile eine große Rolle. Außerdem sollte man beachten, dass jeder Browser und jedes Betriebssystem die Emojis unterschiedlich anzeigen. Zwischen ins Auge stechender Prägnanz und unauffälliger Textangleichung ist alles denkbar. Deshalb ist der Grat zwischen Buchstaben, Sonderzeichen und Emojis nicht selten ein schmaler. Das alles spricht dafür, dass die Wiederkehr der Emojis die Suchmaschinenoptimierung zwar nicht auf den Kopf stellen wird, bei richtiger Nutzung und organischer Einbindung aber durchaus Wettbewerbsvorteile erbringen kann. Abzuwarten bleibt, ob Google dieses Mal länger an der Anzeige der Emojis festhält. Falls nicht, heißt es schon bald wieder Emojis Adé - schön war’s, euch in den Suchanzeigen zu sehen. Macht’s gut, oder anders ausgedrückt: ????????????..