Technologie

Google bringt "Speak2tweet" nach Ägypten

Nachdem die Regierung Ägyptens, im Zuge der aktuellen Unruhen den Zugang zum Internet komplett gesperrt hat, bietet Google in Kooperation mit Twitter den Ägyptern mit "Speak2tweet" nun eine Möglichkeit Ihre Meinung doch noch ins Netz zu tragen. 

Im Laufe der letzten Tage schränkte die ägyptische Regierung die Meinungsfreiheit Ihrer Bürger massiv ein. Zusammen mit der Ausgangssperre wird ihnen die Möglichkeit genommen sich auszutauschen und den Protest zu koordinieren. Auf Anweisung des Mubarak-Regimes mussten alle ägyptischen Breitbandanbieter vom Netz gehen. Im Gegensatz zur US-Regierung hat Google mit dieser Aktion seinen Standpunkt unmissverständlich klar gemacht. Eine Regierung hat kein Recht, wie auch immer geartete Kommunikationskanäle trocken zu legen, um unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Um die Meinungsfreiheit zumindest teilweise wiederherzustellen greift Google eine Technik zurück mit der wohl keiner gerechnet hat: Dem Telefon.

Das Unternehmen schaltete heute 3 Telefonleitungen frei die aufgenommene Sprache in Tweets umwandeln. Wählt jetzt ein Ägypter diese Nummer und spricht seine Botschaft drauf, wird diese umgehend über das Twitter-Konto "Speak2Tweet" im Netz veröffentlicht. Alle eingehenden Sprachtweets werden mit #egypt und #jan25 getaggt, um sie für alle Nutzer leichter auffindbar zu machen. Unter den Nummern +16504194196, +390662207294 und +97316199855 können auch alle vorhandenen Sprachtweets abgehört werden. Ein Internetanschluss wird daher nicht benötigt. Die nötige Technik liefert das Unternehmen Saynow, welches erst letzte Woche von Google akquiriert wurde. Ursprünglich sollte mit Saynow eine Social Voice Community aufgebaut werden, nun scheint Google erkannt zu haben, die Technik auch zum Wohle anderer einsetzen zu können.

"Wir hoffen, dass dies dabei hilft, dass die Menschen in Ägypten in einer schwierigen Zeit in Verbindung bleiben." Hört man diesbezüglich aus der Google Zentrale.

Zu einem echten Kommunikationsinstrument dürft sich der Dienst allerdings nicht entwickeln. Die Software benötigt etwas Zeit von der Aufnahme bis zum posten im Netz. Ein Austausch in Echtzeit ist daher ausgeschlossen. Vielmehr stellen die Tweets zeitgeschichtliche Dokumente dar. Alle zehn Minuten geht eine Nachricht ein, die Sprache variiert zwischen Englisch und Arabisch. Manche Nachrichten scheinen allerdings mehrere Stunden alt zu sein.

Eine Reaktion des Regimes ist bisher aus geblieben. Es wird aber damit gerechnet, dass im Zuge weiterer Demonstrationen auch das Mobilfunknetz abgeschaltet wird.