Facebook auf dem Vormarsch

Kampf der Social Networks: Warum StudiVZ seine Chance verpasst hat

  • Social Media Marketing

Den VZ-Netzwerken ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, dass Image des „Facebook-Klons“ loszuwerden. Sie haben es verpasst, mit eigenen Innovationen die User zu überzeugen und innerhalb Ihres Netzwerks zu halten. Seit Anfang 2008 verliert StudiVZ kontinuierlich User, während Facebook es mittlerweile geschafft hat, über 11 Millionen aktive Nutzer in Deutschland zu zählen. Was sind die Gründe dafür, dass ein so vielversprechendes Projekt nun zu scheitern droht? Hat sich StudiVZ zu sehr am Vorbild Facebook orientiert und darauf verzichtet eigene Ideen einzubringen?

Im Folgenden nenne ich einige Tatsachen, die für den Aufstieg Facebbooks und den Abstieg von StudiVZ verantwortlich sind.

1. Globale Reichweite

StudiVZ legte seinen Fokus stets auf Deutschland. Es gibt auch Ableger in anderen Ländern, allerdings sind diese nicht untereinander vernetzt. So besteht der Freundeskreis bei StudiVZ hauptsächlich aus Freunden, die in Deutschland leben. Facebook ist an diesen Sachverhalt ganz anders herangegangen. Es gibt eigene Facebook-Seiten in unzähligen Ländern, die alle miteinander vernetzt sind. So braucht man nicht verschiedene Netzwerke für seine deutschen, englischen oder spanischen Freunde.

2. Datenschutz

Hier hätte sich StudiVZ als Gegenpol zu Facebook positionieren können. Facebook geriet in den letzten Jahren immer wieder auf Grund zu lascher Datenschutzbestimmungen in die Schlagzeilen. Obwohl das US-Unternehmen massiv nachgebessert hat, verstummt die Kritik bisher nur teilweise. Der Hauptvorwurf bezieht sich auf die Speicherung und kommerzielle Weiterverwendung von persönlichen Daten. StudiVZ hat es verpasst klare Datenschutzrichtlinien vorzugeben um sich auf diese Weise vom Konkurrenten zu distanzieren und sich einen Vorteil zu verschaffen.

3. Open Source

Facebook hat den Trend zu kleinen Anwendungen (Apps) früh erkannt. Bereits im Jahr 2007 öffnete Facebook seine Pforten für Entwickler fremder Software. Diese schrieben dann viele kleine Programme, die die User in naher Zukunft noch stärker an das Netzwerk binden sollten. Dies ist mit Spielen wie Farmville oder MafiaWars auf eindrucksvolle Weise geschehen. Bei StudiVZ sucht man nach solchen Apps vergeblich. Die Betreiber haben somit einen der größten Trends der letzten Jahre im Softwarebereich verpasst. Sie haben es nicht geschafft Ihr Netzwerk zu öffnen und potentielle Entwickler anzulocken. Womöglich ist dies der schwerwiegendste Grund für die heutige Marktverteilung im Bereich Social Media.

4. Kopieren geht über Studieren

Um es ganz unverblümt zu sagen, wurde StudiVZ als 1 zu 1 Kopie des amerikanischen Vorbildes eingeführt. Die damaligen Gründer erkannten zu jener Zeit das enorme Potential welches sich hinter Facebook verbarg. Doch anstatt nur den Ansatz zu übernehmen und selbst kreativ tätig zu werden, übernahm man einfach das Aussehen inklusive aller Funktionen. Der einzige Schritt zur Abgrenzung vom Konkurrenten war die Änderung der Farbe von blau zu rot. Doch im Gegensatz zu StudiVZ hat sich Facebook ständig weiterentwickelt und wurde mit der Zeit zum Innovationsmotor der gesamten Branche. Neuerungen auf Facebook werden auch heutzutage von StudiVZ aufgegriffen und mit meistens monatelanger Verzögerung eingeführt. Wer ein so geringes Maß an Kreativität und Eigeninitiative an den Tag legt, ist in dieser schnelllebigen Branche zum Scheitern verurteilt. Stattdessen versucht der Studi-VZ Vorstand nun mit Facebook-Bashing von dem eigenen Mangel an Selbstinitiative abzulenken. Jener Vorstand sollte sich nun an der Migration der User von StudiVZ zu Facebook messen lassen.

Meine Prognose lautet, dass es StudiVZ in einigen Jahren nicht mehr geben wird. Die einzige Möglichkeit dieses Schicksal abzuwenden, wäre ein kompletter Neuanfang mit einem durchdachten Konzept, welches dort ansetzt wo Facebook seine Schwächen hat. Im Moment sieht es nicht danach aus als wäre jemand im Holtzbrinck-Verlag, der StudiVZ 2007 für einen hohen Millionenbetrag erworben hat, mutig genug um diesen Schritt zu gehen.