Soziale Netzwerke

Wettbieten um Twitter hat begonnen: Ist das Netzwerk wirklich 10 Milliarden Dollar wert?

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Das „Wall Street Journal“ berichtet in seiner heutigen Ausgabe von einem Übernahmenpoker um das Social Network Twitter. Demnach wären Google, Facebook und ein drittes, nicht benanntes, Unternehmen an einer Übernahme interessiert. Quellen aus dem Umfeld von Twitter taxieren dessen Wert auf zwischen 8 und 10 Milliarden $. Die letzte Finanzierungsrunde liegt gerade 2 Monate zurück und brachte dem Unternehmen eine Kapitalspritze von 200 Millionen $. Zu jener Zeit sprachen Experten von einem Gesamtwert von 3,7 Milliarden für den Mikroblogging-Dienst. Twitter selbst beziffert seinen potentiellen Wert, ganz unbescheiden, auf bis zu 100 Milliarden $. Zieht man den Umsatz als Maßstab heran, fragt man sich, worauf diese Zahlen basieren. Der Gesamtumsatz von Twitter betrug im vergangenen Jahr 45 Millionen $, während man für dieses Jahr mit 100 bis 110 Millionen $ rechnet.

Diese neue Bewertung kam unabhängig von einer gestern erfolgten, neuen Finanzierungsrunde zustande. Der Hedge Fonds Andreesen Horowitz, um Netscape-Gründer Marc Andreesen, investierte demnach 80 Millionen $ in Twitter. Eine Sprecherin des Kapitalgebers wollte aber nicht kommentieren, für wie viele Anteile das Geld geflossen ist. Geld macht Twitter bislang mit drei Werbeformaten: Promoted Trends, Promoted Tweets und Promoted Accounts. Allerdings dürften Personal und Technik den Großteil dieses Umsatzes für sich beanspruchen. Im letzten Jahr stellte Twitter 250 neue Mitarbeiter ein und erhöhte somit sein Gesamtpersonal auf 350. Was also würden Google, Facebook oder der ominöse Dritte mit Twitter anstellen? Wer wäre der geeignetste Kandidat?

Bei Google erkennt man wenige Möglichkeiten, Twitter in sein bisheriges Portfolio zu integrieren. Trotzdem sollte man den Suchmaschinenbetreiber nicht unterschätzen. Alleine aus taktischen Gründen wäre eine Übernahme sinnvoll! Facebook und Twitter vereint, könnte sich zu einer ernstzunehmenden Gefahr für Google entwickeln. Googles sagenumwobenes eigenes Social Network um Twitter herum zu bauen, erscheint bei genauerem Hinsehen wenig sinnvoll! Dienste wie Buzz, Google Places, Google Profile oder Google Talk lassen sich nicht ohne erhebliche Umbaumaßnahmen mit Twitter kombinieren. Zwischen Facebook und Twitter findet man allerdings einige Gemeinsamkeiten, die einen Zusammenschluss durchaus rechtfertigen könnten. So könnte Twitter um Facebook Deals ergänzt werden, was ein einchecken per Tweet ermöglichen würde. Naheliegend wäre auch eine Integration von Tweets in den Facebook Newsfeed. Nur Facebook wäre zuzutrauen, aus Twitter erfolgreich Kapital schlagen zu können.

Nun wird munter spekuliert, wer denn das dritte Unternehmen sein könnte. Natürlich fallen da jedem zunächst Apple und Microsoft ein. Aber wohl auch nur, weil sie die finanziellen Mittel hätten! Eine mögliche Strategie lässt sich bei bestem Willen nicht ableiten, aber das muss natürlich auch nichts heißen. So bleibt wie gewöhnlich nur abzuwarten und festzuhalten, dass Twitter eigentlich gar nicht verkauft werden will. Man gefällt sich in seiner überbewerteten Rolle anscheinend.